|
Vorwort
China, das drittgrößte Land der Erde hinter Russland und Kanada, befindet sich seit knapp einem Jahrzehnt auf dem Sprung ins 21. Jahrhundert. In einer Reihe vom Rest des Riesenreichs sehr klar abgegrenzten Freihandelszonen erprobt das kommunistisch geprägte Land die Mechanismen der freien Marktwirtschaft. Dennoch repräsentiert das boomende China des Wirtschaftswunders nach westlichem Muster nur einen recht kleinen Teil des Landes.
Immerhin bestehen mehr als zwei Drittel des Landes aus Bergen, Wüsten und anderen unwirtlichen Gebieten. Nur ca. 20% der Fläche Chinas sind für eine landwirtschaftliche Nutzung und somit für die Versorgung von über 1,2 Mrd. Menschen mit Nahrung geeignet. Berichte über die boomende Wirtschaft Chinas verschleiern darüber hinaus, dass Millionen Chinesen in überalterten und unrentablen Staatsbetrieben beschäftigt sind, welche nur durch hohe Subventionen von der Zentralregierung am Leben gehalten werden können. Diese Menschen mit eingerechnet hatte China 1997 geschätzte 400 Millionen Arbeitslose. Das sind weit mehr als die Einwohnerzahl Europas. Auch entsprechen 10% Wirtschaftswachstum in China - absolut gesehen - immer noch weit aus weniger als 1-2% Wirtschaftswachstum in Japan oder einem anderen vergleichbaren westlichen Industrieland.
Dennoch vollzieht sich in China seit knapp 10 Jahren ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel, der in der Welt seines gleichen sucht. Mit unvorstellbarem Elan, Ergeiz und Geschick versucht China den Anschluss an die westliche Welt zu finden. Dabei vollziehen Regierung und Gesellschaft einen Spagat zwischen Kultur, kommunistischen Werten und den Anforderungen einer westlich modernen Wirtschaftskultur. Niemand der eine längere Zeit in China verbringt, wird sich deshalb dieser ganz speziellen und spannenden Atmosphäre entziehen können.
Das Tempo, der Ergeiz und die Zukunftsvisionen, welche in rasender Geschwindigkeit umgesetzt werden, entziehen sich insbesondere unserer deutschen Vorstellungskraft. Wer wie China Wettbewerb als Mischung aus Überlebenskampf, sportlichem Ergeiz und Verdrängungswettbewerb begreift, der wird letztlich im Vergleich mit uns ängstlichen, zaudernden und in der Vergangenheit verhafteten Europäern am Ende die Nase vorn haben. Die Chinesen haben in diesem Rennen nichts zu verlieren - vielleicht ist gerade das ihre Stärke.
Jeder Besucher sollte daher versuchen die eigene Herkunft und Kultur für kurze Zeit zurück zu lassen, die Augen öffnen, staunen und sich für die Zukunft inspirieren zu lassen. Dieses riesige Land mit seinen vielfältigen Landschaften, Menschen und Impressionen bietet dazu reichlich Gelegenheit.
|